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Episode 30

"Fall Nummer 200693-144619, der Staat gegen Friedobert Pofick, Würgermeister des Bekackten Waldes und Mitglied im Arschländer Senat. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Analprolaps, die Verteidigung übernimmt Dr. jur. Tampon, den Vorsitz hat der ehrenwerte Richter Popelpflück... erheben Sie sich!"

Der Prozess war die Sensation des Jahres im Arschland, und das aus mehreren Gründen. Einerseits hatte der Rummel um Urinos lange Zeit alle popularistisch reißerischen und pseudoobjektiven TV-Dokumentationen und Talkshows beherrscht und sollte mit diesem Prozess vielleicht ein Ende finden. Außerdem war der Angeklagte eine Person des öffentlichen, politischen Lebens, was, selbst wenn er unschuldig war, sicherlich skandalös genug zu sein schien, um in bunten Boulevardblättern mit knapp bekleideten (was bei Fellträgern nicht selten rasiert bedeutet), weiblichen Viechern auf dem Cover das Ende der Demokratie zu zelebrieren. Ebenfalls überraschend war die Massivität und Geschwindigkeit, mit der es zum Prozess kam, weil der Staatsanwalt mit dem Angeklagten offenbar einen persönlichen Uhu zu rupfen hatte. Außerdem wurde hier und da gemunkelt, dass geradezu kuriose Kreaturen als Zeugen geladen sein sollen. Entsprechend voll gestopft mit zahlreichen Schaulustigen, die aus irgendwelchen Gründen alle große blaue Bücher unterm Arm trugen... ein weiteres Rätsel, das offenbar diesen Prozess umgab. Die Presse drängelte sich hinter dem Angeklagten, der jeden Fragesteller zu beißen versuchte. Auf der Geschworenenbank hockte eine Gruppe Tiere, von denen nicht zu erkennen war, nach welchen Kriterien sie ausgewählt worden waren. Sie schienen ausnahmslos keine Ahnung davon zu haben, warum sie hier waren, oder wo dieses "hier" genau sein könnte. Das hektische Treiben im Saal fand nur zäh ein Ende, als das Gericht den Staatsanwalt zu seinem Eröffnungsplädoyer aufforderte.

Analprolaps war kaum wiederzuerkennen. Seine normalerweise vor Gericht zur Schau gestellte dauernde Müdigkeit war verschwunden, zwar hatte er tiefe Ringe unter den Augen, doch die Augen die sie zierten waren weit aufgerissen und glasig. Seine Hände zitterten und fummelten an verschiedenen Gegenständen herum, darunter auch die eine oder andere Brustwarze einer Geschworenen. Auf seinem Pult standen acht große Thermoskannen, die nach Kaffe rochen und bereits zur Hälfte leer waren. Analprolaps sprach schnell, laut und ansonsten mit der Passion eines spanischen Großinquisitors: "Hohes Gericht, meine Damen (grabbel)... und Herren Geschworenen, verehrter Verdammter, der du da auf der Anklagebank schmachtest. Angeklagt ist hier eine der verachtenswertesten Kreaturen der Geschichte! Ein Mann, gewählt vom Volk, um demselben Gutes zu tun, der es aber vorgezogen hat, das Volk zu schänden und mit Füßen zu treten. Ich werde im Laufe dieser Verhandlung deutlich zeigen, dass Herr Pofick nicht nur außerstande ist, ein solches Amt gerecht zu führen, sondern dass er außerdem verschiedenste Verbrechen schwerster Natur verübt hat. Darunter ist einerseits der Mord an einem unschuldigen Idioten aus seiner Nachbarschaft, andererseits die Initiation des größten Drogenhandels in der Geschichte unseres verrotteten Staates. Mit der Hilfe von Zeugen werde ich zeigen, was für eine brutale und ruchlose Kreatur im Geiste wie im Gestus dieser Pofick ist. Ich werde seine Motive und Beweggründe vorlegen, dazu noch allerlei Indizien, die keinerlei Verbindung mit dem Fall haben, die aber gesammelt wurden, um die Geschworenen zu verwirren."

Tampon hatte die ganze Zeit vorsichtig und ängstlich zu seinem Mandanten geschaut, der mit wütendem gesicht auf seinem Platz saß. Insbesondere betrachtete er die Wattestopfen, die aus seinen Ohren ragten und dafür sorgen sollten, dass es nicht zu einem Unglück käme. Hinter den beiden saß in der ersten Reihe der Zuschauer Professor Schwanz, um seinem einträglichsten Patienten beizustehen. Auch ihn betrachtete sich Tampon so hoffnungsvoll wie die Watte. Beide, Watte und Schwanz waren die einzige Möglichkeit, Pofick eventuell ruhig zu halten. Nun war er mit seinem Plädoyer dran. Klebrig kroch er von seinem Sitz vor die Geschworenenbank und erhob sich zur vollen Höhe seiner wenigen Zentimeter.

"Hohes Gericht, verehrte Geschworenen, Herr Staatsanwalt, der persönliche Abneigungen nicht aus seinem amtlichen Beruf heraushalten kann..."

"Verprügelt hat mich das Schwein!" brüllte Analprolaps quer durch den Saal. Alle blickten schockiert von der Gans im Koffeinrausch zum grimmig dreinschauenden Angeklagten hin und her, während der Staatsanwalt mit hochrotem Kopf auf und einer geknurrten Entschuldigung auf seinen Platz zurücksank. Tampon nickte und ergriff wieder das Wort: "Ich werde hier und heute zeigen, dass mein Mandant nicht nur ein gewissenhafter Politiker und ein tierliebes Mitglied unserer Gesellschaft ist, sondern dass er außerdem unschuldig ist. Des weiteren werde ich zeigen, dass der Staatsanwalt sich hier auf einem persönlichen Rachefeldzug ist und ein Lügengebäude auf Indizien aufzubauen versucht, das zu demontieren mir eine helle Freude sein wird."

Danach kroch Tampon wieder zurück auf seinen Platz zurück, womit die Befragung der Zeugen begann. Die Zeugen, die Analprolaps hereinbringen ließ, stellten den Angeklagten allesamt als cholerisch, brutal und psychotisch dar. Sie alle waren ehemalige Angestellte Poficks, die zu einem großen Teil verstümmelt waren. Tampon befragte seinerseits diese Zeugen mit genau so viel Geschick wie Skrupellosigkeit.

"Sie behaupten also, der Angeklagte habe Ihnen dieses Bein abgenagt, ist das richtig?"

"Aber ja doch!" wetterte einer seiner ehemaligen Steuerberater, der es nicht geschafft hatte, ausreichend Steuereinsparungen einzubringen.

"Aber Sie haben jetzt einen wunderbaren Rollstuhl, nicht wahr?"

"Äh... ja?"

"Großartig! Ist ein ganz schön bequemes Leben, wenn man sich nicht mehr so anstrengen muss, oder?"

"Wie meinen Sie das denn?"

"Sie können sich jetzt doch viele Kilometer fortbewegen, ohne müde zu werden, oder?"

"Schon, natürlich..."

"Und jetzt sitzen Sie hier und klagen den Mann an, dem Sie ein so bequemes Leben zu verdanken haben?"

"Was? Verdammtnochmal! Ich komme keine Treppen mit dem Ding hoch, schaffe es kaum in den Bus! Selbst in diesen Gerichtssaal schaffe ich es nicht ohne Hilfe zu kommen!"

"Na und? Das ist ja wohl die Schuld des Landes, der Regierung, der Busbetriebe... Würgermeister Pofick hat Ihnen zu einem bequemen Leben verholfen, das Sie nur deshalb nicht genießen können, weil die Gesellschaft keine Rücksicht darauf nimmt."

"Und was ist mit all den Schmerzen? Der Demütigung?"

"Wie kommen Sie eigentlich darauf, dass es der Angeklagte gewesen ist, der Ihnen das Bein entfernt hat?"

"Scheiße, ich war dabei!"

"Und es könnte Ihnen auf keine andere Weise abhanden gekommen sein?"

"Wie denn sonst?"

"Aha!" sagte Tampon mit anklagendem Ton. "Jetzt wollen Sie behaupten, dass es nur eine einzige Möglichkeit gibt, Beine zu verlieren? Wer immer nur noch ein Bein hat, Pofick ist schuld, ja? Wer denn sonst? Aber man kann ein Bein auch auf andere Weise verlieren, oder?"

"Natürlich..."

"Zum Beispiel durch einen Autounfall?"

"Ja, aber..."

"Sie geben also zu, dass Ihr Bein auch anders hätte abhanden kommen können?"

"Ja, aber..."

"Keine weiteren Fragen!"