Galerie Scheißi DonkScape ego Service

Episode 24

"VERFLUCHTE SCHEISSE, DU MISTIGES, VERKOMMENES SCHLEIMARSCHBIEST! DAS IST JA... UÄÄÄHHARRGH! Verfickt nochmal! Das wird teuer, du Hirni, das kann ich dir sagen!"

"War das so richtig?"

"Nein, verflucht! Los, Du Arschbohrer! Für die Schweinerei krieg ich das Doppelte! Los! Leg mir die Zweihundert hier hin und dann verschwinde!"

"Wen soll ich wo hinlegen?"

"Das Geld, du dämliches Rummshirn! Zweihundert Arschlandgeld! Her damit!"

"Was ist das?"

"Geld!"

"Kenn ich nicht."

"WAS??? DU HAST KEIN GELD??? MEINST DU BLÖDE WICHSNASE, ICH MACH MEINE BEINE UMSONST BREIT??? ICH SAGTE ZWEIHUNDERT!"

"Ich hab sowas nicht" sagte Scheißi und lächelte unschuldig.

Koprophilie starrte ihn eine Zeitlang böse an. Dann holte sie Luft und brüllte: "FREDO!!!"

Es entstand ein Moment Pause, in dem Koprophilie leicht dampfte und Scheißi unbedarft herumstand und sich langweilte. Schließlich flog die Tür auf und ein schmieriger Köter trat ein.

Fredo Cotzeone, jüngster Sohn des Paten Don Cotzeone, der Glücksspiel, Prostitution und einige andere größere Geschäfte in und um Franksfurz kontrollierte und das alles hinter einem Geschäft für Rizinusöl versteckte, war als Apfel, wie man so sagt, etwas weiter vom Stamm gefallen, als seine Brüder. Er war der wurmstichige Apfel, das schwarze Schaf. Eigentlich eher weichlich und sensibel als hart, unnachgiebig und geschäftstüchtig. Doch er war der Sohn des Don und hatte als solcher Anrecht auf einen ordentlichen Posten im Familiengeschäft. Damit er beschäftigt war, hatte Don Cotzeone ihm die Kontrolle der Prostitution im Bahnhofsviertel übertragen. Eine undankbare Aufgabe, doch Fredo war froh, dass er nicht statt dessen im Haus seines Vaters für die Schläger und Killer der Familie Spaghetti kochen musste.

"Ah! Ciao, Koprophilie, meine Gute," sagte er mit südländischem Akzent. "Was kann ich für dich tun? Ärger mit diesem... Was ist das eigentlich hier?"

"Der Spinner hat kein Geld!"

Scheißi nickte eifrig.

"Hat er denn...?" fragte Fredo.

"Mehr oder weniger. Jedenfalls schuldet er mir zweihundert Arschlandgeld."

"Der hier?" Fredo betrachtete das Eichhorn missbilligend. Scheißi saß zufrieden lächelnd auf dem abgeranzten Teppich des Zimmers und winkte zu Fredo hinauf. Obwohl der Anblick eines Eichhorns etwas ist, das nun wirklich niemanden erfreut, erfüllte diese Begegnung Fredo mit einer gewissen Zufriedenheit. Er hatte sich immer als das unterste Glied in seiner Familie gesehen. Sein Vater gehörte zu den einflussreichsten Personen der Gegend, seine Brüder hatten alle bedeutende Positionen innerhalb der Organisation der Familie, nur er, Fredo Cotzeone, war auf diesen stinkenden Außenposten abgeschoben, weil er nicht besonders helle und außerdem schwächlich war. Sogar die niedersten Gorillas waren besser angesehen als er. Es war nur seine Herkunft, die andere dazu brachte, ihn mit Respekt zu behandeln - ein Verdienst seines Vaters, nicht sein eigener. Hier aber, als er dieses dreckige Ding auf dem Teppich hocken sah, wie es auf einer Falte im Fußbodenbelag herumrutschte, um das Jucken der Hämorrhoiden zu besänftigen, hatte er das befriedigende Gefühl, dass es doch noch Kreaturen auf diesem verkackten Planeten gab, die weit unter ihm standen.

Trotzdem gab es keinen Grund für irgendwelche Wohltätigkeitsbälle: Dieses Eichhorn hier hatte einen Fehler begangen und für eine erbrachte Leistung nicht bezahlt. Normalerweise übergab er solche Fälle den beiden Schlägern, die unten in einem engen Kabuff vor einem mikroskopischen Schwarzweiß Fernseher saßen und sich Volksmusik ansahen, weil diese kleinen Kisten nichts anderes empfangen.

"Ich regle das, capisce?" sagte er zu Koprophilie und winkte sie aus dem Zimmer. Die Prostituierte stand auf, schnappte sich ein Taschentuch von der brüchigen Kommode und wischte sich damit im Hinausgehen durch ihre gealterten Geschlechtsteile.

"Was soll ich jetzt bloß mit dir machen?" fragte Fredo das Eichhorn, schnappte sich einen wurmzerfressenen Stuhl und setzte sich verkehrt herum vor Scheißi darauf. "Verdammt! Wie kann man nur so bescheuert sein und ‘ne Nutte vögeln, ohne dass man Geld hat?"

Jegliche Sympathie verflog, denn nun roch der Köter, dass das Eichhorn stank, als hätte es sich erst vor kurzem in Kotze gewälzt. Er wusste es nicht, aber seine Schnauze hatte recht.

"Du wirst verdammt viel Ärger kriegen, du Blödmann!"

"Was kriege ich?"

"Ärger!"

"Fein. Kann ich das essen?"

"Mann, du kriegst ‘ne Tracht Prügel!"

"Auch noch? Ich hab gar keinen Hunger mehr."

"Ey, hör auf, dich über mich lustig zu machen, du Nasenpfeife, sonst bist du gleich die längste Zeit ein Eichhorn gewesen!"

Das war ein Satz, der deutlich zu lang für Scheißi war. Deswegen ignorierte er ihn und sagte statt dessen: "Ich muss Pipi!"

"Was habe ich damit zu...," begann Fredo, brach aber ab, als er den dunklen Fleck auf dem Teppich sah, der sich vor Scheißi ausbreitete. Gedankenverloren sagte er zu sich selbst: "Mann, piss die Wand an...", worauf Scheißi aufsprang und...

"Halt!"

Scheißi blieb stehen. Urin tröpfelte von seinem Genital herab und machte ein leise pockendes Geräusch auf der abgewetzten Auslegeware.

"Ich habe noch nie ein so dämliches Geschöpf wie dich gesehen. Entweder bist du zu blöd, um zu verstehen, dass man hier für sein Vergnügen bezahlt, oder du lügst mir hier einen in die Tasche, damit ich genau das denke. Hab ich recht?"

"Das weiß ich nicht."

"Welche Variante auch immer stimmen mag... ich komm da nicht hinter. Ich denke, ich nehm dich mit, damit mein Vater über dich entscheiden kann. Wenn du Glück hast, lässt er dich laufen... vielleicht bist du aber in auch einer Stunde tot."

"Aber ich bin doch Scheißi, das zerebral ganz ausgebrunzte Eichhorn."

"Was hat das damit zu tun?"

"Pisskopp ist tot und ich bin Scheißi."

"Bist du deswegen unsterblich?"

"Nein, ich bin Schei..."

"Ja, ja! Aber sterben kannst du trotzdem."

"Ja... naja, ich weiß nicht. Ich hab’s noch nicht probiert. Was ist das denn?"

"Also, was sterben ist, wirst du doch wohl wissen, oder? Schließlich tun wir das alle irgendwann einmal."

"Wie geht das denn?"

"Meine Güte! Man kriegt Betonschuhe, oder eine Garotte um den Hals und dann: Zzzzzzzzzzzzzzt! Fliegt die Seele aus dem Körper!"

"Die Seele fliegt."

"Genau! Ab in den Himmel... oder in die Hölle, und basta!"

"Basta!"

"Si!"

"Was ist basta?"

"Äh... finito... muerte. Tot eben."

"Patschenass."

"Wie meinen?"

"Aufhängen?"

"So kann man auch jemanden umbringen. Oder erschießen, erdolchen, egal! Hauptsache tot."

Scheißi freute sich wie irre. "Zzzzzzzzzzzzzzt, aufhängen, Fenster kaputt, Seele fliegt den Hasenködel, Tod tritt die Tür und Pisskopp basta!"

"Nochmal... wie war das?"

"Na, basta, Tür hängt, der Tod fliegt durchs Fenster, Hasenködel tritt die Seele, Pisskopp ist Oma und... und..."

Scheißi glotzte Fredo verdutzt an.

"Pisskopp ist Oma?"

"Was ist das mit deiner Oma, bitteschön?"

"Äh... die Seele hängt auf der nassen Getränkeverpackung... und..."

"Mann, piss die Wand a... nein! Warte! Du kommst einfach jetzt mit mir mit. Wir machen einen netten kleinen Ausflug zu meinem Papa. Das muss er gesehen haben!"