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Episode 19

"Ich will den Polizeipräsidenten sprechen!" polterte Pofick los.

"Äh, ja." sagte vom Misthaufen lächelnd. "Der Herr Präsident ist allerdings im Moment sehr beschäftigt. Können Sie mir sagen, worum es sich handelt?"

"Ich will sein Band!" sagte Pofick. "Das heißl;t, er will mein Band!"

"Wie bitte?"

"Lassen Sie mich erklären", sagte Schwanz ruhig. "Ein Landstreicher, den Sie gefasst haben, hat ein Diktiergerät bei sich, das mir gehört. In diesem Gerät befindet sich ein Band mit Aufzeichnungen einer sehr persönlichen Patientensitzung. Wir sind hier, um dieses Gerät abzuholen."

"Ein Landstreicher? Wie kommt er zu diesem Gerät?"

"Er hat es... gestohlen."

"Ein Dieb also?"

"Ein ekelhaftes Geschöpf, das es nicht verdient zu existieren!" dröhnte Pofick dazwischen. Herbert vom Misthaufen kam langsam ein unangenehmer Verdacht.

"Haben Sie den Namen der betreffenden Person?" fragte er.

"In der Tat. Er heißl;t Scheißl;i das Eichhorn mit dem Vakuum in der Schädelhöhle. Es sollte eine Kleinigkeit sein, uns dieses Gerät auszuhändigen, oder?"

Vom Misthaufen schüttelte den Kopf.

"Das ist ein kleines Problem, fürchte ich. Einerseits ist betreffende Person nach Verhängen einer Geldstrafe freigelassen worden. Das Diktiergerät, von dem sie sprechen, hat er aber, glaube ich, hier vergessen."

"Her damit!" brüllte der Würgermeister, wurde aber vom Professor am Aufspringen gehindert.

"Lassen Sie mich ausreden, bitte!" sagte der Polizist lächelnd. "Erstatten Sie Anzeige wegen Diebstahls gegen dieses Eichhorn?"

"Kommt er dann in den Knast?"

"Ja, das käme er."

"Ich erstatte Anzeige!" grinste der Ekel-Uhu.

"Sie?"

"Wieso nicht?"

"Ihnen hat man nichts gestohlen."

"Dann erstattet der eben Anzeige!" erwidert der Würgermeister und deutet heftig auf den Professor.

"Tun Sie das?" wandte sich vom Misthaufen Schwanz zu.

"Äh, ja! Klar. Ich meine, es war ja mein Gerät, oder?"

"Genau", lächelte vom Misthaufen vorsichtig weiter. "Das Gerät. Es ist nun gewissermaßl;en ein Beweismittel und verbleibt bis zum Ende der Verhandlung gegen dieses Eichhorn im Gericht. Und zuerst müssen wir es schnappen. Aber da folgen wir einfach unserer Nase."

"Gericht...?" fragte Pofick. "Was ist mit dem Gerät? Bekommen wir es jetzt?"

"Nein."

"Was? ICH WILL DAS GERÄT!" begann der Würgermeister wieder zu brüllen. "ICH WILL DEN POLIZEIPRÄSIDENTEN SPRECHEN!"

"Ähm", begann Schwanz vorsichtiger, "der Inhalt des Bandes unterliegt der ärztlichen Schweigepflicht. Können Sie mir nicht zumindest das aushändigen?"

"Ich fürchte, das kann ich nicht."

"ICH BRING DICH UM!!!" schrie der Würgermeister und hechtete über den Schreibtisch, wobei er Professor Schwanz halb mit sich riss. Während der alte Dachs mit dem Schädel laut gegen die Holzkante des Schreibtisches knallte, stießl; sich vom Misthaufen mit den Füßl;en ab und knallte mit seinem Bürostuhl gegen die Wand hinter ihm. Pofick stürzte vor ihm auf den Boden, begann aber sofort, sich wieder aufzurichten. Vom Misthaufen riss seine Waffe aus seinem Holster und richtete sie auf den Würgermeister.

"KEINE BEWEGUNG!" schrie er. Doch Pofick, jetzt ganz im Rausch der Gewalt gefangen, stürzte wieder vorwärts. Ein Schuss löste sich aus der Waffe des Polizisten und riss den Würgermeister, offenbar am Bein getroffen, zu Boden. Dieser gab aber nicht auf und robbte mit irrem Blick auf vom Misthaufen zu. Der Polizist schrie ihn wieder an, doch Pofick verbiss sich in seinem Bein.

"Loslassen! AAAAAAH! VERDAMMT! LOSLASSEN!" Brüllte der Hahn und drückte die Mündung seiner Waffe an Poficks Hinterkopf. Jetzt eilte Professor Schwanz herbei und jagte dem Würgermeister eine Spritze in den Hintern. Pofick ließl; los und sackte blutend zusammen.

Erneut stand Scheißl;i auf der Straßl;e. Verwirrt sah er sich um und suchte nach einem Anhaltspunkt für irgendwas. Er brauchte Orientierung, Führung. Er hatte sich bislang außl;erhalb seines Waldes nie längere Zeit allein bewegt. Jetzt hielt er nach etwas Vertrautem Ausschau, das seine minimalistische, ins Wanken geratene Welt wieder stabilisieren könnte.

Ein Polizeiwagen fuhr vorbei. Scheißl;i grinste: So etwas hatte er schon einmal gesehen. Er hatte sogar dringesessen. Trotzdem war der Wagen, der angesichts des starken Verkehrsaufkommens gerade mal Schrittempo fuhr, verschwunden, bevor Scheißl;i reagieren konnte. Zu seinem Glück folgte bald ein weiterer Streifenwagen, den Scheißl;i aber ebenfalls unverrichteter Dinge verschwinden ließl;, weil er sich viel zu sehr über das Wiedersehen freute. Die Polizeipräsenz in Franksfurz war allerdings so hoch, dass es nur etwa sechs Minuten dauerte, bis die Wagen für ihn nichts Besonderes mehr waren und er sich dazu entschloss, einem von ihnen einige Zeit zu folgen, um einen Ort oder jemanden zu finden, bei dem er sich wohl und geborgen fühlte. Mit neu gewonnener Selbstsicherheit und Unzurechnungsfähigkeit verließl; er so den mäßl;ig sicheren Bürgersteig und stapfte hinaus auf die Straßl;e. Er hatte keine Probleme im dichten Abendverkehr direkt hinter dem Wagen zu bleiben ohne andere Autos zu behindern. Selbst wenn er sie behindert hätte, hätten sie ihn anfahren müssen, damit er etwas davon gemerkt hätte. Das dauernde Hupen und undeutliche Bölken irgendwelcher Autofahrer war zwar etwas irritierend, aber das dreckige Heck des Streifenwagens mit den üblichen hineingeschmierten kryptischen Schriftzeichen "S-A-U", die für das Eichhorn so viel Sinn machten, wie Alt-Aramäische Heldendichtungen für Leute, die berufsmäßl;ig am Fließl;band Schrauben sortierten, war so faszinierend, dass ihn nichts ablenken konnte, bis er schließl;lich an einem sehr vertrauten Ort stand: Dem Polizeipräsidium.