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Episode 18

Die Limousine pflügte gemütlich durch die düsteren Straßen der Hauptstadt des Arschlandes. Der schwarze Regen traf hart auf den weiß polierten Lack und zerstob darauf, so daß der Wagen von einer feinen Hülle aus Wasserdampf umgeben zu sein schien. Die üblicherweise umherschwirrenden Bleikugeln prallten mit leisem Pfeifen von der gepanzerten Außenhaut ab. Ein ungezügelter Mob stürzte quer über eine Kreuzung vor ihnen hinter einem hilflosen Trupp Polizisten hinterher, der aus schwer bewaffneten Anti-Terror-Spezialisten bestand. Prof. Dr. Schwanz zuckte unwillkürlich hin und wieder zusammen, währen ihm gegenüber Würgermeister Pofick saß und gelassen grinsend an seinem Bourbon nuckelte. In seinem rechten Fang ruhte eine leere Flasche Southern Comfort, die er im Notfall dem Fahrer an den Kopf werfen könnte. Doch der Chauffeur der Limousine kannte seinen Chef und gab sich Mühe, nicht den kleinsten Fehler zu machen. Klitzekleine Schweißperlen bildeten sich auf seinem Schnabel, weil er sich auf dem ungewohnten Pflaster von Franksfurz beileibe nicht so sicher fühlte wie in den krummen Gassen des Bekackten Waldes.

"Mir ist die ganze Sache wirklich höchst unangenehm, Herr Würgermeister." sagte Schwanz gerade. "Aber ich bin sehr erfreut, zu sehen, dass Sie guten Mutes sind. Ein Erfolg der Therapie?"

"Mitnichten, werter Herr Professor. Es ist vielmehr so, dass ich gleich einer meiner Lieblingstätigkeiten nachgehen kann. Es gibt für jemanden in meiner Position nichts schöneres als Macht auszuüben."

"Und sie glauben, dass sie auf diese Weise das Band zurückbekommen?"

"Ich weiß es." Pofick räkelte sich mit einem Seufzer auf seinem Rücksitz. "Ich bin der Würgermeister des Bekackten Waldes, damit Herr über eines der größten Areale des Arschlandes und gleichzeitig automatisch Mitglied im Arschländer Senat. Diese Polizisten sollten wissen, dass ich deren Bezüge radikal kürze, wenn die nicht kooperieren. Ich sehe da nicht die geringsten Probleme. Wenn da einer der Mächtigen auftaucht, suchen die gleich ihre Vaseline, damit sie einem möglichst tief in den Arsch kriechen können. Ein Wort an der richtigen Stelle und aus einem einfachen Polizeiwachtmeister wird ein Oberkommissar. Und umgekehrt geht das auch. Das wissen die."

Professor Schwanz zuckte zur Antwort nur mit den Schultern. Er war nicht ganz überzeugt, weil ihm Worte wie Trotzreaktion durch den Kopf wanderten. Trotzdem sagte er: "Wie Sie meinen." und sah aus dem Fenster heraus, an dem gerade ein verirrter Molotov-Cocktail zerbarst. Schwanz schüttelte leicht den Kopf.

Es dauerte noch einige Minuten, bis sie vor dem Franksfurzer Polizeipräsidium hielten. Hier herrschte ein dauerndes Kommen und Gehen. Prostituierte, wegen ihrer langen Beine nicht selten irgendwelche Reiher oder andere Stelzvögel, wurden in großen Einsatzwagen herangekarrt und wieder freigelassen, Handtaschendiebe und psychopathische Massenmörder gaben sich die Klinke in die Hand. Polizisten warfen letztere zu Boden, um ihnen die Klinke zu entreißen. Es herrschte ein heilloses Durcheinander.

Der Chauffeur der Pofickschen Limousine stieg aus, stieß ein paar mit Lackstiefeln beschuhte Storchdamen beiseite, die sich nach seinen Vorlieben erkundigten, und öffnete die Tür der Limousine. Pofick stieg aus und hielt sich ein Taschentuch vor den Schnabel. Schwanz folgte ihm grinsend. Hocherhobenen Hauptes stolzierte der Würgermeister an seinem Chauffeur vorbei, schleuderte die Türflügel zum Präsidium auf und proklamierte laut: "Ich bin Pofick, Würgermeister des Bekackten Waldes und Senator! Ich will sofort den Polizeipräsidenten sprechen!"

Schlagartig herrschte Stille im gesamten Saal. Selbstbewusst lächelte Pofick zu Schwanz hinüber, der skeptisch das erstarrte Treiben in der Halle des Polizeiamtes betrachtete. Der Würgermeister wartete wenige Sekunden, bis eine plötzliche Reaktion zu hören war. Am Ende der Halle prustete jemand auf und begann dann lauthals zu lachen.

Würgermeister Pofick fing leicht zu dampfen an. Seine Fänge ballten sich, was ihm leichte Gleichgewichtsprobleme bereitete. Er schwankte. Professor Schwanz begann ihm eine Melodie zuzusummen, die Pofick aufnahm: "...let’s give peace a chance!" Er entspannte sich. Während sich im Saal langsam die alte Betriebsamkeit wiederherstellte, kratzte sich der Beamte, der am Eingang die Anzeigen aufnahm, hinter seinem Ohr und fragte: "Was wollen Sie?"

"Das habe ich doch gerade gesagt! Ich will den Polizeipräsidenten sprechen."

"Ach richtig... und Sie sind Senator oder so'n Scheiß. Klar. Warten Sie, ich rufe jemanden, mit dem Sie reden können."

Der Beamte griff nach seinem Telefon, wählte und kaute auf einem Kugelschreiber herum, dessen Ende bereits ziemlich zerknautscht und ausgefranst war. Dann sprach er plötzlich: "Herbert? Hier Bob von der Pforte... ja, ich habe hier einen Senator, der den Präsidenten sprechen... nein, unseren... Polizeipräsident, du Blödmann... und..." Er wandte sich an Professor Schwanz. "Und wer sind Sie?"

"Schwanz. Professor Dr. med. Schwanz, Chefarzt der Psychiatrie im Sankt Fäzes Kreiskrankenhaus."

"Ah! Natürlich..." sagte Bob und widmete sich wieder Telefon und Kuli. "Hör zu, Herbert... der andere ist sein Seelenklempner. Ja, ich schicke sie zu Dir rein."

Er drehte sich um und konnte gerade noch den hochroten Kopf eines Uhus sehen, der von seinem Psychiater zu Boden geworfen wurde. Knurrend kam Pofick wieder auf die Beine, während Prof. Schwanz ihm beruhigend die Schulter tätschelte.

"Brauchen Sie Hilfe mit dem da?" fragte Bob den Professor, doch der schüttelte nur mit dem Kopf.

"Nein, nein," sagte er. "Er ist vollends gesund. Es besteht kein Grund zur Beunruhigung."

"Na, Sie sind der Arzt, deswegen will ich Ihnen nicht unbedingt widersprechen. Gehen Sie einfach zum Zimmer 307. Sie werden erwartet."

Im Vorübergehen schnappte der Würgermeister noch flüchtig nach der Kehle des Polizisten. Dann gingen sie relativ gelassen durch die große Halle, wo sie von zahlreichen Augenpaaren angestarrt wurden. Irgendein Otter glotzte Pofick mit offenem Mund direkt an und folgte jeder seiner Bewegungen, bis der Würgermeister ihn schließlich mit den Worten "GLOTZ NICHT SO; HACKFRESSE, SONST REISS ICH DIR DEINE GLUBSCHTEILE AUS DEM SCHÄDEL!" dazu brachte, wo anders hinzusehen. Schließlich erreichten sie Das Zimmer, das ihnen der Pförtner genannt hatte. An der Tür war neben der Zimmernummer auch noch der Name des Insassen des Büros dahinter zu lesen: Hauptwachtmeister Herbert vom Misthaufen.

"Das ist nicht der Polizeipräsident!" stellte der Würgermeister scharfsinnig fest, worauf Schwanz vorsichtig sagte: "Vielleicht muss man sich hier anmelden?"

"Das will ich hoffen." antwortete Pofick und klopfte energisch.

Die Beiden wurden hereingebeten, vom Misthaufen bedeutete ihnen Platz zu nehmen und fragte sie vorsichtig nach ihrem Anliegen.