Galerie Scheißi DonkScape ego Service

Episode 17

Wieder allein mit dem Eichhorn, seufzte das Meerschwein auf. "Der hat ja keine Ahnung..." murmelte es, bevor es sich wieder Scheißi zuwandte: "Also, mein Freund..."

Scheißis Augen weiteten sich bei diesem Stichwort.

"Freund?" fragte er.

Das Rosetten-Meerschweinchen überlegte kurz. "Sagte ich das? Darf ich das nicht? Ist da etwas dabei?"

"Ich bin dein Freund?"

"Äh, naja, das..." sagte der junge Diuretiker verlegen, wurde rot und sah sich um. Andere Mitglieder seiner Gruppe glotzten ihn erstaunt an. Er wollte auf keinen Fall, daß auch nur der geringste Verdacht besteht, er kenne ein scheißefressendes Untier näher. Also sagte er laut: "Nein! Bitte laß uns weitermachen. Du bist nicht mein Freund. Das habe ich nur so gesagt."

"Wie?"

"Was 'wie'? Wie wir weitermachen?"

"Nein, nur so. Aber wie 'nur so'’?"

"Ich bin mir nicht sicher, ob ich verstehe, was du meinst."

"Du hast das nur so gesagt! Wie denn jetzt"

"Tut mir leid, ich verstehe dich nicht."

"Ich mich auch nicht..." sagte Scheißi und kratzte sich möglichst umständlich am Anus. Dann fragte er: "Dann bist du kein Hasenködel?"

"Bitte? Kommt jetzt wieder irgendein Mist mit Hasenködeln?"

"Nein, jetzt kommt..." Scheißi blickte sich kurz um, sah dann das Rosetten-Meerschweinchen noch einmal an, warf erneut einen Blick durch den Raum und zur Tür und sagte dann vorsichtig: "Da kommt gar keiner."

Das Meerschwein versuchte, sich zu einem Lächeln hinzureißen. "Sehr lustig... Pass auf. Ich versuche es noch einmal. Folgende Frage: Wie stark neigen Sie zur Unpünktlichkeit?"

"Wer?"

"Du."

"Ich?"

"Wer denn sonst?"

"Vielleicht der da?" fragte Scheißi und zeigte auf einen jungen Regenwurm am Nebentisch.

"Der hat mit uns doch gar nichts zu tun!"

"Ich frag mal." sagte Scheißi und lehnte sich nach hinten, tatschte dem Wurm auf die nicht vorhandene Schulter. "Hallo!"

"Ja?" fragte der Wurm und drehte sich um. "Iiiiih!"

"Wie stark neigst du dich zu Punkten?"

"Wie bitte?"

"Er fragt das." sagte das Eichhorn und zeigte auf das Meerschwein, welches die Schnauze in den Pfoten vergrub.

"Die Frage lautet: Wie stark neigen Sie zur Unpünktlichkeit?" erklärte es schwer atmend.

"Oh," meinte der Wurm, "die Frage war nicht leicht. Ich schwankte zwischen 'stark' und 'mittel', also habe ich 'mittel' angekreuzt. Man will ja nicht schlechter erscheinen als nötig..." Er lachte verlegen.

"Danke für die Auskunft. Nun zu dir Eichhorn. Wie lautet deine Antwort?"

"Worauf?"

"Auf die Frage!"

"Welche Frage?"

"Die verfluchte Unpünktlichkeit, verdammtnochmal!"

"Was ist das?"

"Ich glaube ich schmeiß' dich einfach raus und mache Mittagspause."

"Au ja! Hunger! Hasenködel" quietschte Scheißi aufgeregt.

"Ich halte das nicht mehr..."

In diesem Moment kam der Meister Urinarius erneut vorbei und fragte: "Na, kommst du mit deinem Freund hier voran?"

"Das ist nicht mein Freund!!!"

"Aber aber, mein Sohn," sagte der Meister mit einem kühlen Lächeln. "Haben wir dir nicht beigebracht, sich zu beherrschen? Was ist denn los?"

"Er fängt schon wieder mit diesen Hasenködeln an."

"Also gut," wandte sich der Meister an Scheißi. "Was ist das mit diesen Hasenködeln?"

"Man trocknet sie bei geschlossener Tür, damit der Tod nicht die Fenster treten muß. Dann kommt Oma, liest etwas vor und hängt die Leine in den Himmel. Wenn das draußen passiert, ist das aber anders, weil man nichts treten muss, und... und den Rest habe ich vergessen, glaube ich."

"Das ergibt keinen Sinn. Und warum," fragte der Meister das Meerschwein, "reagierst du so empfindlich auf das Wort Freund?"

"Das ist alles seine Schuld."

"Also, Eichhorn, was ist mit dem Wort 'Freund?'"

"Na, Pisskopp ist mein Freund."

"Ach ist er das, ja?"

"Ja genau. Aber da war noch etwas." Scheißi schien zu überlegen, was in keiner Weise bedeutete, daß auch nur die geringste Chance bestand, daß dabei etwas Vernünftiges herauskam. Entsprechend sagte er: "Richtig! Ich bin nämlich auch sein Freund."

Aus tiefster Selbstdisziplin heraus erzeugte der Meister Urinarius das überzeugendst freundliche Grinsekatzengrinsen, das je außerhalb von Alices Wunderland gegrinst wurde. "Ich denke, wir werden dieses Wort heute nicht mehr benutzen."

Er tätschelte dem Meerschwein wieder die Schulter und sagte: "Ich lasse dich noch ein bißchen mit ihm allein. Gib nicht auf! Ich vertraue dir."

Als der Meister gegangen war, saß das Meerschwein vor dem Eichhorn am Tisch und ließ die Schultern hängen.

"Was mache ich jetzt nur mit dir?"

Scheißi grinste und sagte: "Du siehst mich an."

"Unglaublich! Zum ersten Mal hast du eine Frage richtig beantwortet. Trotzdem hilft mir das nicht im Geringsten weiter."

Verträumt starrte der Diuretiker auf das Blatt mit Fragen, ließ die letzten Minuten revuepassieren und suchte nach einem Ausweg aus der Misere. Er wollte seinen Meister nicht enttäuschen und sich selbst nicht bloßstellen. Ihm kam eine Idee.

"Sag mal, Eichhorn..."

"Mal Eichhorn."

"Wie?"

"Hallo? Ja?"

"Äh... Willst du wirklich die verborgenen Talente in dir finden?"

"Ja."

"Ganz sicher?"

"Äh... ja."

"Ich glaube, das willst du nicht."

"Nein?"

"Nein. Du willst sie gar nicht finden."

"Will ich nicht?"

"Nein. Ganz sicher."

"Oh... äh... na gut..." Das Eichhorn war etwas verunsichert.

"Also," fing das Meerschwein zunehmend grinsend erneut an, "willst du sie finden oder nicht?"

"Äh... ich glaube, ich will sie nicht finden... sagst du."

"Nein, nein, das sage ich nicht! Das sagst du!"

"Ich?" Scheißi sah ihn vollkommen verwirrt an.

"Ja, genau. Du sagst, daß du deine verborgenen Talente nicht finden willst."

"Aha..."

Mit einem fröhlichen "Gut!" zerrte das Meerschwein Scheißi jeden Widerwillen ihn zu berühren vergessend zum Meister Urinarius.

"Meister! Das Eichhorn hat etwas zu sagen!"

"Hat es?" Die Katze beäugte das Eichhorn mißtrauisch, das ihn blöde anglotzte. "Was hast du mir zu sagen?"

"Hallo! Ich bin..."

"Nein!" schrie das Meerschwein dazwischen, fuhr dann aber leiser fort: "Das nicht. Du wolltest ihm sagen, daß du deine Talente gar nicht finden willst."

"Will ich nicht?"

"Das hast du doch gerade gesagt!"

"Äh... ja! Habe ich!"

Der Meister sah die beiden Tiere vor ihm durchdringend an und fragte dann Scheißi: "Du hast also kein Interesse mehr an uns?"

"Was?" fragte das Eichhorn.

"Nein, hast du nicht" raunte das Meerschweinchen ihm zu.

"Okay..."

"Du willst gehen!"

"Äh... Okay..."

Schweißperlen standen auf der Stirn des Rosetten-Meerschweines als es Scheißi unter dem bohrenden Blick seines Meisters zum Ausgang schob.