Galerie Scheißi DonkScape ego Service

Episode 16

Das Meerschwein führte Scheißi zu einem nahen Gebäude, über dessen Tür in goldenen Lettern die Worte ‘Diuretik-Zentrum’ standen. Durch das pompöse Portal hindurch erreichten sie einen größeren Raum, in dem an vielen kleinen Tischen die Opfer saßen und den Test machten. Auch Scheißi wurde an einen dieser Tische gesetzt, dann legte das Meerschwein einige bedruckte Bögen Papier vor das Eichhorn.

"So, hier sind die Fragen, du kannst jede von ihnen mit 'sehr stark, stark, mittel, schwach oder sehr schwach' beantworten. Hier hast du einen Stift, dann kann es losgehen, ja?"

"Ja."

"Sehr gut, sehr gut."

"Was kann losgehen?"

"Na, der Test."

"Das Spiel?"

"Wenn du so willst, aber ich würde das nicht einfach als Spiel ansehen. Es geht hierbei um deine Zukunft."

"Um das Wecken von Talenten?"

"Richtig."

"Und das geht jetzt los?"

"Ja. Fang an!"

Scheißi holte tief Luft und brüllte dann quer durch den Raum: "WACHT AUF! WACHT AUF; IHR TALENTE!!! War das gut?" setzte er an das Meerschweinchen gerichtet hinzu. Das angesprochene Getier starrte Scheißi genauso verblüfft und schockiert an, wie alle anderen im Raum.

"Ich bin mir nicht sicher," sagte der Diuretiker vorsichtig, "ob du mich verstanden hast. Du sollst beantworten, was da auf den Zetteln steht."

Scheißi blickte auf dem Tisch herum, zuckte mit den Schultern und sagte: "Da steht nichts drauf."

"Doch, natürlich!"

"Nein, da steht nichts! Da steht auf den Zetteln nichts herum, was mir Fragen stellt. Wie soll ich da etwas beantworten?"

"Nein! Du sollst... Aah!" Das Meerschwein versuchte sich zu beruhigen. Es atmete tief durch. Ein - aus - ein - aus. Dann begann es von neuem.

"Du sollst die Fragen beantworten, die auf diese Zettel geschrieben sind."

"Da sind Fragen?"

"Ja, lies doch!"

"Ich kann nicht lesen."

"Oh, du bist Analphabet?"

"Nein, ich bin Scheißi, das Holzwolle statt Hirn Eichhorn."

"Das beantwortet meine Frage auch. Dann pass mal auf, Scheißi. Ich stelle dir die Fragen und du antwortest, ja?"

"Stellst du dich dafür auch auf die Zettel?"

"Denke nicht über die Zettel nach. Kümmere dich um nichts. Nur die Fragen, die ich dir stelle, sind von irgendwelchem Interesse, verstanden?"

"Nein."

"Gut, du bist zumindest ehrlich. Also fangen wir an. Die erste Frage lautet: Wie sehr bist du mit deinem Leben zufrieden?"

"Ja, bin ich."

"Nein, nein, nein."

"Bin ich nicht?"

"Doch!"

"Also: Ja, bin ich."

"Nein, verdammt! Ich meine: Ja, aber du musst mit 'sehr zufrieden, zufrieden, mittelmäßig, unzufrieden oder sehr unzufrieden' antworten. Also noch mal: Wie sehr bist du mit deinem Leben zufrieden?"

"Sehr zufrieden, zufrieden, mittel und den Rest habe ich vergessen."

"Ich, äh, ich schreibe einfach 'zufrieden' hin. Gut, gut. Nächste Frage: Wie sehr füllt dich deine Arbeit aus?"

"Ausfüllen?"

"Bitte, wir haben hier einhundert Fragen. Warum kannst du sie nicht einfach beantworten? Los, sag: Wie sehr füllt dich deine Arbeit aus?"

"Ähm, sehr zufrieden, zufrieden, mittel."

"Du willst mich nicht verstehen, oder?"

"Muss ich das denn?"

"Warum habe ich dich nur angesprochen? Warum?"

Von hinten näherte sich die schlanke Gestalt einer Katze, die sich an das Meerschwein wandte.

"Na, mein Sohn? Gibt es Probleme mit diesem Aspiranten?"

"Oh, Meister Urinarius. Dieses junge Tier hier ist interessiert, doch begreift er nicht. Er ist zu blöd."

"Kann er denn lesen?"

"Nein Meister, auch dieses ist ihm verwehrt."

"Hm. Nun. Hast du ihm die Fragen vorgelesen?"

"Ja, aber er versteht weder sie, noch, wie er antworten soll. Eigentlich versteht er gar nix. Es ist überhaupt ein Wunder, wie er es bislang geschafft hat, zu überleben. Ich meine, der ist zu dämlich zum kacken. Es würde mich nicht einmal wundern, wenn der Scheiße fräße, bei dem Mundgeruch."

"Was fresse ich?" schaltete sich das Eichhorn ein.

"Scheiße!" sagte das Meerschwein gereizt. "Vogelmist, Hundekot, Hasenködel!"

"Ich fresse Hasenködel." sagte Scheißi, woraufhin sich eine furchtbare Stille im Raum ausbreitete. Das Meerschwein und der Meister Urinarus blickten das Eichhorn mit großen Augen an. Der Meister räusperte sich.

"Na, zumindest hat das Tier Humor." sagte er.

"Seid ihr sicher, Meister?"

"Aber, aber, mein Junge. Willst du etwa aufgeben?"

Das Meerschweinchen sah den Meister mit Scham erfülltem Gesicht an und sagte: "Ich weiß nicht weiter..."

"Ein Rückschritt wäre schade. Denke an die großen Energien, die dir die Diuretik verleiht. Und wie ich das sehe, kannst du es schaffen. Du darfst nur nicht aufgeben und nicht die Geduld verlieren."

"Meister, ich bin verwirrt!"

"Das legt sich, mein Sohn." sagte die Katze ruhig und legte die Pfote kurz auf die Schulter des Meerschweinchens. "Ich denke, du wirst es schaffen. Ich schaue in einigen Minuten noch einmal vorbei, um zu sehen, wie es läuft, ja?"