Galerie Scheißi DonkScape ego Service

Episode 15

Der Richter war ein feister Erpel, der fett und träge hinter seiner Richterbank saß und hin und wieder blechern grunzte. Als das Eichhorn in den Raum geführt wurde, presste sich der ehrenwerte Richter Popelpflück ein Taschentuch vor den vergilbten Schnabel, während seine Augen entgeistert durch die halbe Brille den Vorgeführten betrachteten.

"Äha!" quäkte er unter dem Taschentuch hervor. "Und was soll das hier jetzt sein?"

"Landstreicherei und Beamtenbeleidigung, euer Ehren. Da der Angeklagte, Herr Scheißi, das wahnsinnig bekloppte Eichhorn ohne Sinn, kein Geld zu besitzen scheint, beantrage ich eine Haftstrafe," donnert Herbert vom Misthaufen durch den Saal.

Der Erpel beäugte ihn mißmutig. "Ach ja? Und was," fragte er, "sagt der Staatsanwalt dazu?"

Eine Gerichtsdiener-Maus huschte durch den Saal und stupste den Staatsanwalt, eine schnarchende Gans, an. Die Gans schreckte hoch und brabbelte: "Jawiewasja?"

Richter Popelpflück verdrehte seine Augen und stöhnte. "Beantragen Sie, Herr Staatsanwalt, genauso wie unser wackerer Polizist hier, daß dieser Herr, äh, Scheißi, das..." Er blickte noch einmal kurz auf einen Zettel und las dort: "...das eigentlich eingeschläfert gehörende Eichhorn, für einige Tage in Haft kommt?."

Der Staatsanwalt sah sich kurz um, versuchte sich auf die schnelle zu orientieren, versagte, brach wieder auf seinem Stuhl zusammen und brabbelte dabei: "Klar!" Dann kehrte er wieder in den tiefen Schlaf der Gerechten zurück.

Der Richter wandte sich dann wieder an Scheißi und seinen Begleiter und sprach: "Warum riecht dieses Biest eigentlich so nach Erbrochenem?"

Vom Misthaufen räusperte sich verlegen, dann brachte er leise heraus: "Es hat wohl welches gefressen, Euer Ehren."

"Nun," sprach der Richter und preßte sein Taschentuch noch fester vor sein Gesicht, so daß man Angst haben könnte, daß er blau anliefe, wäre er nicht schon so grün. "Jetzt, wo das, äh, geklärt (oder gerade nicht) ist, wäre nur noch eine klitzekleine Kleinigkeit. Die Sache mit dem Verteidiger. Herr Polizist, fordert dieses schmierige Wesen einen Verteidiger?"

Der Hahn fragte das Eichhorn, welches nichts weiter zu entgegnen hatte als: "Einen was?"

"Einen Verteidiger. Das ist ein Anwalt."

"Anwalt?"

"Ja, willst du einen?"

"Schmecken die denn?"

"Das ist nichts zum Essen, das ist eine Person, die für dein Recht kämpft."

"Oh, ach so."

"Also! Der Richter wartet. Willst du einen?"

"Was soll ich damit? Er ist doch nicht zum Essen."

"Der gottverdammte Anwalt soll dir helfen! Verstehst du das nicht? Er soll dir helfen! Er versucht, dich vor einem Aufenthalt im Kittchen zu schützen! Willst du einen scheiß Anwalt?"

"Ich will lieber einen Hasenködel."

"Ich gebe dir gleich deine verkackten Hasenködel!"

Der Richter räusperte sich. "Herr vom Misthaufen, bitte mäßigen Sie sich. Sie sind hier im Gericht." Der Polizist nickte schnaufend, worauf der Richter fortfuhr: "Mir scheint, das Wesen verzichtet auf seinen Verteidiger. Gut, das macht uns die ganze Sache viel einfacher. Ich verurteile das Biest zu einem Arrest von dreißig Tagen, oder zu einer Geldstrafe von dreihundert Arschlandgeld. Da es das nicht hat und ich nicht glaube, daß sich jemand findet, der für den Verurteilten zahlen möchte, denke ich..."

"Ich zahle!" schrie eine Stimme. Es war Holzbock Holmes, der Meisterkommissarermittleragentinspektordetektivzeckenpolizeibeamte. Er trat vor und sagte: "Zieht es mir vom Lohn ab oder macht sonst was, aber ich gebe mein letztes Hemd, wenn dieses Vieh aus dieser Stadt verschwindet und schnellstens in seinen bekackten Bekackten Wald zurückkehrt."

"Damit," sagte Richter Popelpflück, "ist das Biest frei. Ich, der ich das Gericht bin, ziehe mich zurück. Ach und äh... kann hier mal jemand das Fenster öffnen? Dieser Gestank ist ja nicht auszuhalten."

Herbert vom Misthaufen ließ Scheißi los und trottete frustriert davon. Holzbock Holmes dagegen blieb bei dem Eichhorn und redete auf es ein: "Los, los! Du kannst gehen. Warum gehst du nicht endlich? Gehe in deinen Wald zurück. Los, los, los! Verschwinde!"

"Och," entgegnete Scheißi. "Darf ich mich hier nicht noch etwas hinsetzen?"

Wenig später katapultierten einige Gerichtsdiener Scheißi auf die belebten Straßen der Großstadt.

Ganz benommen von den Eindrücken der großen Stadt Franksfurz stolperte Scheißi blind in das Getümmel der verschiedensten Tiere. Gerade bog er um eine Ecke, als ein freundlich lächelndes Rosetten-Meerschwein ihn ansprach.

"He, du! Hast du einen Moment Zeit?"

"Hallo, ich bin Scheißi!"

"Na, das ist ja toll..."

"Ja, finde ich auch."

"Hättest du Interesse, einen Persönlichkeitstest mitzumachen? Damit kann man in dir verborgene Talente entdecken."

"Da ist jemand in mir?"

"Pardon?"

"Du sagtest da sei jemand in mir...Talente."

"Ja, in jedem von uns schlummern mehr Talente als wir wissen. Genaugenommen nutzen wir nur zehn Prozent unseres..."

"Ich wußte nicht, daß da überhaupt irgendwer in mir schläft."

"Wie? Ach so, nein, das mit dem Schlummern ist doch nur bildlich gesprochen."

"Bildlich..."

"Klar, in Bildern."

"Ich habe keine Bilder gesehen."

"Vielleicht vergißt du das mit den Bildern besser."

"Mach' ich."

"Aber möchtest du jetzt wissen, welche Talente in dir versteckt sind?"

"Ich will wissen, warum die in mir sind. Können die nicht wo anders sein?"

"Ich glaube, du missverstehst mich."

"Haben die sonst kein Zuhause?"

"Nein!"

"Aha. Aber sie verstecken sich?"

"Ja, so kann man es sagen."

"Vor wem? Vor mir? Haben die Angst vor mir? Ich habe denen doch nichts getan?"

"Nein, sie warten sogar darauf, daß du sie findest."

"Ah! Ein Spiel! Ich wußte nicht, daß jemand mit mir spielt. Das tut mir leid, ich hätte sonst nach ihnen gesucht. Die warten bestimmt schon lange, oder?"

"Äh, ja! Möchtest du sie finden?"

"Klar," sagte Scheißi und steckte sich einen Finger in den Hintern, um darin herumzutasten. Das Meerschwein beobachtete ihn verwundert.

"Was machst du da genau?"

"Ich suche." sagte das Eichhorn. "Aber ich kann da nichts finden. Wo sind diese Talente denn?"

"Na, so findest du die nie."

"Ach, die sind richtig schlau und haben sich ganz toll versteckt. Wie kann ich die denn finden?"

"Komm nur mit in unser wundervolles 'Diuretik-Zentrum' gleich hier um die Ecke. Dort können wir deine verborgenen Talente finden."

"Wollen wir nicht warten, bis sie aufgewacht sind?"

"Das mit dem 'Schlummern' war doch nur bildl... die... Sie wollen, dass du sie weckst."

"Das ist aber schön."