Galerie Scheißi DonkScape ego Service

Episode 14

Glücklich wippend saß Pofick in seinem Sessel und grinste. Seine zwei Mördermarder standen daneben und grinsten. Die neue Sekretärin betastete sich vorsichtig ihren blutenden Schnabel. Als der Würgermeister gehört hatte, daß das Eichhorn aus dem Krankenhaus geflohen sei, war er etwas voreilig gewesen und hatte ihr einen Briefbeschwerer ins Gesicht geworfen. Jetzt aber war er glücklich.

"Und es ist wirklich nicht mehr im Wald?"

"Nein, Chef. Es ist wirklich weg, Chef. Wir haben es gesehen, Chef."

"So ist es. Und dann ist so ein Gockel gekommen mit so einer Polizeiuniform und hat ihn so wie er war verhaftet, einfach so."

"Genau, Chef, sie haben auch sein Diktiergerät mitgenommen, Chef."

Pofick hörte kurz auf zu wippen. "Was für ein Diktiergerät?"

"So genau weiß ich das nicht. Es war halt so ein Diktiergerät."

"Hmmmm..." Er wippte wieder. Im Vorzimmer klingelte das Telefon und die Sekretärin eilte hin. Kurz darauf meldete sie sich über die Gegensprechanlage.

"Da ist Herr Professor Schwanz am Apparat, Herr Würgermeister."

Pofick nahm den Hörer auf.

"Herr Professor, guten Tag. ... Nein, es ist nicht so schlimm, daß es entflohen ist. ... Neinein, ich bin ganz ruhig. ... Mir geht es gut. ... Warum sollte ich die Spenden streichen wollen? Ich bin glücklich. Vielen Dank und auf... noch etwas? ... Gesprächsnotizen? ... Was heißt verschwunden? ... Seit gestern? Aber was... Sie haben ihre Notizen worauf? A... ... ... Doch, ich bin noch da. Was haben sie doch gleich gesagt? DIKTIERGERÄT? SIE HABEN IHR DIKTIERGERÄT MIT UNSEREN SITZUNGSAUFZEICHNUNGEN VERLOREN?"

Die Sekretärin kam mit einem Glas Wasser und einer Röhre Valium herein, doch da bekam sie bereits das Telefon an den Schädel geworfen und sackte bewußtlos zusammen.

Scheißi hockte lustlos in seiner Zelle. Bis auf eine harte Pritsche war sie leer. Es war kalt und ungemütlich. Scheißi schnüffelte etwas herum. Er roch Urin und Kotze. Also gab es jedenfalls etwas, das ihm hier gefiel. Trotzdem wünschte er sich jetzt, er wäre nicht mit Satan gegangen und hätte seinen Wald nie verlassen. Er vermisste seine übelriechende Baumhöhle und sein warmes Bett, das er sich mühsam aus seinen Nasenhaaren zusammengesammelt hatte. Außerdem sehnte er sich nach seiner Kuschelscheiße, ohne die er kaum zu schlafen vermochte und mit der er sich oft das Äquivalent zu Kissenschlachten mit Pisskopp geliefert hatte.

Die Tür öffnete sich, und ein grüner, unförmiger Haufen wurde unsanft herein geworfen. Mürrisch betrachtete Scheißi den schleimigen Klumpen, der in einer Ecke liegengeblieben war. Der säuerliche Geruch von Erbrochenem ging von dem Haufen aus, was Scheißi neugierig machte. Er schlurfte zu ihm hin und stupste ihn an. Der grüne Haufen rülpste. Jetzt erkannte das Eichhorn ihn als den besoffenen Frosch, der sich auf den Bauch gekotzt hatte. Er rülpste noch mal, wand sich in seiner Bewusstlosigkeit und fing dann an zu schnarchen. Scheißi betrachtete ihn genauer und fand dann ein großes Areal auf seinem fahlen Wanst, auf dem noch die klebrigen Überreste eines Käsesandwiches klebten. So hatte Scheißi jetzt jedenfalls etwas zu essen. Die ganze Zeit, in der er die stinkenden Klumpen von der warzigen Haut des Frosches klaubte, bewegte sich das Tier nicht. Erst als seine rauhe Zunge die letzten Tropfen des fast verronnenen Bier-Korn-Ketchup-Magensaft-Gemisches aufzulecken versuchte, rührte sich das Amphibium.

"Jjawwiewwwassissloss?" lallte das Kriechtier und schlug seine gelben, zirrhotischen Augen auf, um mit unstetem Blick zu versuchen, Scheißi zu fixieren. Es mißlang. "Wasbisndu?"

"Ich bin Scheißi, das Hundekacke-ist-schlauer-Eichhorn", sagte Scheißi und begann aus den Falten des aufgedunsenen Froschbauches halbverdaute Erdnußkrümel herauszukratzen.

"Na, so was!" brabbelte der Frosch weiter. "Sonst sehe ich doch immer weiße Wasserflöhe und so'n Zeug. Aber braunrote Eichhörner, die meine Kotze fressen, die sind mir neu."

Er betrachtete weiter mit schwammigem Interesse, wie Scheißi weiterfraß. Als das Eichhorn fertig war, seufzte er kurz und setzte sich auf.

"Jedesmal, wenn ich aufwache", sagte er in undeutlichem Plauderton in Scheißis grobe Richtung, "frage ich mich, warum ich noch immer nicht tot bin."

"Du bist also nicht tot?" fragte Scheißi.

"Na, sieht das hier etwa aus wie der Himmel?"

"Weiß nicht. Bist du Oma?"

"Was? Nein. Sehe ich so aus?"

"Nein, ich glaube nicht. Aber ich habe sie auch lange nicht gesehen."

"Glaub mir, ich bin nicht deine Oma."

"Stimmt. Du hast auch gar keine Getränkepackungen."

"Ich bin nicht sicher, ob ich dich überhaupt verstehen will. Können tue ich es jedenfalls nicht. Ich sollte besser noch etwas schlafen."

Der Frosch räkelte sich etwas in seiner Zellenecke und schloß die Augen. Scheißi betrachtete ihn einige Zeit. Dann schlenderte er lustlos durch den kleinen Raum, während der Frosch in der Ecke wieder schnarchte. Schließlich setzte sich auch Scheißi hin und sinnierte über die letzten Tage. Und genau da fiel ihm Pisskopp wieder ein, und er fragte sich, wann er seinen Freund wohl endlich wiedersähe. Über diese Träumereien schlummerte er friedlich ein.

Es war ein furchtbarer Lärm, der ihn weckte. Eine Horde Polizisten, unter ihnen Herbert vom Misthaufen, stürmte in die Zelle und schirmte Scheißi gegen das noch immer leblos in der Ecke lungernde Amphibium ab. Vom Misthaufen, der dicke, schwarz glänzende Gummihandschuhe trug, griff vorsichtig nach Scheißi und begann ihn aus der Zelle zu zerren, so daß das Eichhorn gerade noch Zeit hatte "Tschüs, toter Frosch!" zu sagen, bevor er dem Haftrichter vorgeführt wurde.