Galerie Scheißi DonkScape ego Service

Episode 13

"Es war grauenvoll!" stöhnte Holmes. "Ihr hättet es sehen sollen! Alles war voll mit diesem ekeligen Zeug. Überall Würmer und... Uäääääh! Es war so entsetzlich."

Seine Kollegen schüttelten bedauernd den Kopf, einige murmelten "Igitt" oder "Uäääääh!".

"Mann, ich sage euch: Zuweilen glaube ich, diesen Gestank noch immer zu riechen."

"Komisch", sagte einer der Umstehenden. "Ich rieche auch was."

Die Tür zum Büro platzte auf und Polizeiobermeister vom Misthaufen herein.

"Kommt mal her!" rief er. "Ich muss euch mal einen Irren zeigen, wie ihr ihn noch nicht gesehen habt. Aber Vorsicht! Er stinkt bestialisch."

"Pah!" sagte Holmes darauf. "Verglichen mit den Verrückten und Gerüchen, mit denen ich zu tun gehabt habe, ist das bestimmt garnix."

"Warte ab, Holzbock! Das stinkt ganz schön schlimm, dieses Eichhorn."

Die Zecke wurde schlagartig blass. Alle Kollegen, die eben noch seinen Erzählungen gelauscht hatten starrten ihn an. "Eichhorn?"

"Ja, Eichhorn. Ich habe es draußen auf den Feldern beim Landstreichern und Rumlungern gefunden."

"Nicht zufällig nur ein Eichhörnchen, daß sich nur länger nicht gewaschen hat?"

"Nein. Das ist sicherlich ein Eichhorn. Kennst du es?"

"NEIN!"

"Aber Holmes!" warf einer der Kollegen ein. "Vielleicht ist es das Biest, von dem du erzählt hast. Dieses Vieh aus dem Krankenhaus. Vielleicht ist es entkommen."

"ICH KENNE KEIN EICHHORN! JETZT VERSCHWINDET AUS MEINEM BÜRO!"

"Er behauptet die ganze Zeit, er sei tot", fuhr vom Misthaufen fort. "Es scheint übrigens, als hieße er Scheißi. Er ist sich da aber selbst nicht ganz so sicher. Ich kann ihn ja mal 'reinbringen, Holzbock", fügte er hinzu und verschwand. Die anderen Polizisten folgten ihm.

Scheißi saß grinsend auf einem Hocker und sah sich um. Akten türmten sich auf Schreibtische, schmutzige kleine Gauner und betrunkenes Getier wurden von Beamten dauernd vorbeigeschleppt. Ein bewußtloser Frosch hatte sich vor seiner Ohnmacht noch auf den grünen Bierwanst gekotzt.

Scheißi fiel auf, dass er Hunger hatte. Gerade wollte er aufstehen und dem Frosch folgen, der zwischen zwei Polizisten hing, als der Hahn zu ihm zurückkehrte.

"He, Stinker! Sitzenbleiben!" schrie er. Mürrisch plumpste das Eichhorn auf seinen Hocker zurück. Herbert vom Misthaufen wandte sich an seinen Assistenten, der auf den Gefangenen aufgepaßt hatte. "Hat er sonst etwas angestellt, während ich weg war?"

"Nur gestunken. Können wir ihn nicht endlich irgendwo einsperren, wo er außerhalb der Reichweite meines Geruchssinnes ist?"

"Zuerst kommt er zu unserem Superdetektiv."

"Achje, Holmes! Ich habe ihn gerade schon schreien gehört. Der ist also schon zurück."

"Ich verstehe es auch nicht. Er benimmt sich außerdem ziemlich seltsam." Seufzend drehte sich der Gockel zu Scheißi um, der wieder die Tür ansah, durch die der Frosch verschwunden war. "Gut, Herr... ähm..." Vom Misthaufen überlegte und fuhr dann fort: "Herr Scheißi das uneingeschränkt hohle und pfurzköpfige Eichhorn. Kommen Sie mit!"

"Wohin?"

"Zu unserem Meisterkommissarermittlerinspektordetektivzeckenpolizeibeamten Holzbock Holmes."

Der Hahn zog sich ein Paar Gummihandschuhe über und packte Scheißi am Arm und schleifte ihn quer durch das Revier. Neugierig hielt das Eichhorn nach Essbarem Ausschau, doch es lagen nur Donuts herum, und die fand er ekelig. Schließlich erreichten sie die Holmes' Tür und vom Misthaufen klopfte an.

"Geht weg!" drang eine Stimme von drinnen heraus. "Haut ab! Ich bin nicht da! Ich bin tot!"

Scheißi wand sich in des Hahnes Griff. "Pisskopp! Endlich habe ich dich gefunden! Ich bin es: Scheißi! Komm raus, dann spielen wir Nusswurf!" Sprachs, imitierte die Wurfbewegung und riss Polizeiobermeister Herbert vom Misthaufen von den Füßen. Von drinnen hörte man verzweifeltes Schluchzen.

"Was habe ich getan? Was habe ich..." Mit gefassterer Stimme fuhr Holmes fort: "Hör zu, hier ist nicht Pisskopp. Ich bin nicht tot, und du bist hiermit freigelassen!"

"He!" rief vom Misthaufen aus, der sich gerade aufrappelte. "Das kannst du nicht machen!"

"Ich kann! Ich muss! Dieses Wesen ist unschuldig, was immer man ihm auch anlastet. Lass es frei, Herbert, sonst bringt es Tod und Verderben über uns alle. Eichhorn, du bist frei, da hinzugehen, wo du hergekommen bist. Geh! Jetzt!"

"Hör mal, Holmes!" sagte der Hahn verärgert und wollte die Tür aufschieben, doch sie war von innen verstellt. Er drückte fester, stieß die Tür schließlich auf und einen Aktenschrank um.

"AAAAAAAAAAAAAAAAAAHHHH!"

"Holmes?" Der Hahn sah sich im Büro seines Kollegen um und hob, als er ersticktes Stöhnen hörte, den Schrank wieder auf. "Holmes, bist du verletzt?"

"Ja, aber leider nicht tödlich. Hallo, Scheißi."

"Hallo, Zecke."

Benommen stand Holmes auf und lehnte sich an seinen winzigen Schreibtisch.

"Hör zu, Herbert, ich meine das ernst. Lass dieses Viech gehen. Es ist besser für uns alle. Du hast es noch nicht in Aktion erlebt. Was wirfst du ihm denn vor?"

"Es wollte mich verarschen."

"Wollte es bestimmt nicht. Das Biest ist so blöde, daß es nicht weiß, was es tut."

"Ich habe es aber wegen Landstreicherei festgenommen. Die Anzeige liegt schon beim Chef. Ich kann es nicht gehen lassen."

"Dann werde ich es halt hier rausschmeißen."

"Du weißt nicht, was du sagst."

"Ich schon, aber das da nicht. Glaube mir, es ist gefährlich. Bringe es in seinen Wald zurück, wo es keinen Schaden anrichtet."

"Aber was ist denn so gefährlich an diesem Tier? Ist es ein brutaler Killer?"

"Oh, nein."

"Ein wahnsinniger Massenmörder?"

"Äh, nein, das trifft es nicht ganz..."

Skeptisch sah vom Misthaufen zu Scheißi herüber, der neben dem verbeulten Aktenschrank sitzengeblieben war und sich unbeschwert umsah.

"Überträgt es irgendeine schreckliche Krankheit?"

"Wahrscheinlich auch, aber das ist es nicht."

"Was ist es dann, verdammtnochmal!"

"Das Biest macht wahnsinnig."

"Tut mir leid, ich muss ihn hier behalten."

"Ich sage dir: Du wirst das bereuen! Du wirst es noch bereuen!"

"Holzbock! Das ist doch Unsinn! Ich sperre ihn ein."

Holmes drehte sich langsam zum Fenster um und murmelte: "Ich wünschte, ich wäre alt und könnte friedlich sterben."