Galerie Scheißi DonkScape ego Service

Episode 12

Die beiden durchquerten lange die weite Blumenwiese. Scheißi trat manchmal mürrisch gegen die eine oder andere Blume, die er als fürchterlich hässlich bezeichnete. Er war schlecht gelaunt. Satan hatte ihn aus seiner vertrauten Umgebung gerissen und in diese Gegend verschleppt, in der die Sonne hell am Himmel brennt und nicht auf die vertraut trübe Art in weiter Ferne vor sich hin glomm. Langsam zweifelte das Eichhorn daran, dass es so viel Spaß sein könnte, Verderben zu bringen. Er wollte heim, Nusswurf spielen und mit Pisskopp Ködel fressen. Er war sicher, sein Freund würde irgendwann mit dem tot sein aufhören und zurückkommen, um nach Scheißi zu suchen. Bei dem Gedanken daran trat er wieder kräftig gegen einen Löwenzahn. Er kann aber doch nicht all die Leute enttäuschen, die auf das Verderben warteten.

Satan lächelte zufrieden. Er freute sich über die Zerstörungswut seines Gefährten, fragte sich aber immer wieder, warum Scheißi, das Werkzeug seiner Macht, so bescheuert sein musste. Eine mit Pollen berieselte, kräftige und ziemlich übelgelaunte Bisamratte sprang plötzlich hinter dem Löwenzahn hervor.

"Ey, ihr zwei Idioten!" schrie sie und baute sich bedrohlich vor den beiden Wanderern auf. "Äh, der Idiot ist der da", sagte Satan eingeschüchtert von der Größe des Tieres und ihres mordlüsternen Blickes. Er vertraute einfach erst einmal auf die Zerstörungskraft des Eichhorns und zog sich vorsichtig zurück.

Scheißi wollte erst stolz zustimmen, stockte dann allerdings angesichts der Bisamratte.

"He, du siehst ja aus wie Pisskopp!"

"Der bin ich aber nicht. Hast du diese Blume getreten und mich mit diesen Pollen vollgepudert?"

"Äh, ja, das habe ich. Du bist nicht Pisskopp?"

"Nein, verdammt!"

"Dann bist du nicht etwa tot?"

"Was? Du bist eher so gut wie tot!"

"Ich bin tot?"

"Ja," sagte die Ratte und holte aus.

"Das ist ja toll!"

Die Ratte ließ die Arme wieder sinken. "Was?"

"Und das wo ich doch gar nicht nass bin. Schnell, hängt mich auf!"

"Sag mal", wandte sich die Ratte an Satan, "ist der immer so?"

"Wo ist denn die Tür, durch die der Tod eingetreten ist? Ob ich mich jetzt essen kann? Ich habe lange keine Hasenködel mehr gegessen."

"Ich fürchte schon", seufzte die Schlange.

"He, Ratte!" rief Scheißi. "Wenn ich tot bin und du nicht Pisskopp bist, vielleicht bin ich dann ja Pisskopp. Heißt du zufällig 'Scheißi, das so dermaßen berummste Eichhorn, daß es keiner glaubt'?"

"Nein, wieso?"

"Dann wärst du mein Freund. und ich wäre außerdem deiner. Ist das nicht prima?"

"Mann, piss die Wand an! Das wird mir langsam zu blöd"; sagte die Ratte. "Ich hau ab."

"He, nimmst du mich mit?" fragte Satan. "Vielleicht könntest du mir helfen, die Welt ins Verderben zu stürzen. Ich bin Satan, der Fürst der Finsternis."

"Verderben, wie? Na, eine Welt, in der Kreaturen wie der da existieren, stürze ich gerne ins Verderben."

"Und ich?" fragte Scheißi. "Was ist mit mir? Ich dachte ich sei dein Werkzeug."

Die Schlange zuckte mit ihren nicht vorhandenen Schultern. "Da habe ich mich eben geirrt. Du bist doch viel zu bekloppt."

"Oh, du sagst immer so nette Sachen zu mir, Satan."

"Tschüs, Scheißi!"

Das Eichhorn reagierte nicht.

"Äh, ich meine: Tschüs, Pisskopp!"

"Ja, Tschüs, Satan. Und Tschüs, Scheißi!"

"Ich bin nicht Scheißi! Du bist Scheißi."

"Bin ich das?"

"JA!"

"Dann Tschüs, wer immer du bist."

Schnell verließen die zwei das lächelnd winkende Eichhorn. Als sie verschwunden waren, setzte sich Scheißi hin, um auszuruhen. Der Abend dämmerte langsam, und dieser Tag war sehr anstrengend gewesen. Es dauerte nicht lange, da war er unter dem geschundenen Löwenzahn eingeschlafen.

"Heda! Aufgewacht!" brüllte eine heisere Stimme.

"Was?" Scheißi rieb sich verschlafen die Augen. Er fror etwas und hatte vom Tau ein feuchtes Fell bekommen, so daß er besonders stank. Vor ihm stand ein großer, stolzer Hahn in Uniform.

"Was tun Sie hier?"

"Schlafen."

"Ja, schlafen und stinken. Das sehe, beziehungsweise rieche ich. Sind Sie ein Landstreicher?"

"Nein, ich bin tot."

"Wollen Sie sich über die Polizei lustig machen?"

"Ich weiß nicht. Soll ich denn?"

"Niemand macht sich über die Polizei lustig."

"Bist du die Polizei?"

"Jawohl! Ich bin Polizeiobermeister Herbert vom Misthaufen. Und Sie sind verhaftet."

"Wie jetzt?"

"Sie haben sich über mich lustig gemacht. So etwas kann ich gar nicht ausstehen! Sie haben behauptet, Sie seien tot."

"Aber das bin ich. Aber du hast recht, das ist ziemlich lustig. Pisskopp ist nämlich auch tot, und er ist mein Freund."

"Jetzt hören Sie endlich mit diesem Quatsch auf und kommen Sie mit!"

"Wohin?"

"Aufs Revier, nach Franksfurz."

"Ist es da schön?"

"Es ist ein Alptraum."

"Aha."