Galerie Scheißi DonkScape ego Service

Episode 8

Der Brief des MeistersHolmes schlich sich in der Verwirrung vorsichtig in den Raum und wagte, einen Blick in Scheißis Akte zu werfen. Neben irgendwelchem unverständlichen Gefasel in fehlerhaftem Latein fand er darin einen kurzen Brief mit folgendem Inhalt:

Sehr geehrter Herr Professor Schwanz,

hiermit möchte ich sie freundlichst auffordern, den in ihrer großartigen Klinik befindlichen Patienten ‘Scheißi, das grenzenlos unterbelichtete Eichhorn’ für den Rest seiner armseligen und gesellschaftsunwürdigen Existenz der Öffentlichkeit zu entziehen und mit irgendwelchen bunten Tabletten vollzustopfen, bis er ruhig ist. Wenn Sie Lust haben oder die Notwendigkeit sehen, so können Sie ihn selbstverständlich auch einer Ihrer wunderbaren Operationen unterziehen. Für alle Kosten seiner Behandlung kommt natürlich unser Parteibüro auf. Bitte schreiben Sie alle Quittungen so aus, daß ich sie als Wahlkampfkosten abschreiben kann. Eine ‘kleine’ Entschädigung für Ihre Mühen überweise ich Ihnen schon jetzt auf Ihr Privatkonto.
Mit herzlichem Gruß, Pofick, Würgermeister.

P.S.: Ich hoffe, Ihre Wunden sind inzwischen gut verheilt, ich freue mich bereits auf unsere nächste Therapiesitzung.

Gerade als Holmes sich mit diesem interessanten Dokument aus dem Staube machen wollte, wurde er von einem Kotklumpen, den Scheißi in einer letzten Anstrengung fortschleuderte, niedergestreckt. Während ihm vor Schmerz und Gestank die Sinne schwanden, fragte er sich, ob er nicht diesen Fall besser zu den Akten legen sollte, um sich endlich dauerhaft um das Weberknechtzimmermädchen zu kümmern. Dann wurde es dunkel.

Holzbock Holmes erwachte irgendwo im sogenannten ‘organischen Abfall’ des Krankenhauses. Das heißt: In einem Berg aus vergammelten Gliedmaßen, die wegen schwerster Verletzungen, Gefäßverschluß oder aus bloßer Grausamkeit amputiert worden sind. Aus schleimigen Trauben unheilschwangerer Blasen und Beulen quoll langsam zäher, blutiger Eiter auf ihn ein. Überall fraßen sich gierige, bleiche Würmer durch die nach Tod und Verwesung stinkenden Fleischmassen. Die etwas älteren Organe und Teile qualvoll verendeter Tiere hatten schon in der heißen Juniluft jedwelche Struktur verloren und sich zu einer amorphen Masse verbunden. Wie aus am Boden verfaulendem Obst glotzen schwarze Maden aus den formlosen Überresten von Armen, Beinen und schmerzverzerrten, entstellten Gesichtern, nachdem sie sich langsam durch die noch warme Gehirnmasse ihrer Opfer gefressen hatten.

na, ist das ekelig?

Aus einer finsteren Öffnung über ihm blubberten immer neue Grausamkeiten heraus und stürzten unversehens auf die hilflose Zecke ein. Das und grenzenlose Kopfschmerzen machten es im fast unmöglich aus diesem Inferno der Verwesung zu entkommen. Beinahe besinnungslos von dumpfem Gestank und erstickendem Eiter kroch er schließlich heraus und entfloh dieser Müllkippe des Grauens in die Richtung, in der er sein Hotel vermutete.

Die junge Maulwurfsdame an der Rezeption des Excremento-Hotels polierte sich gelangweilt ihre Krallen. Bislang war dieser Arbeitstag vollends ruhig verlaufen. Gäste waren gekommen; Gäste waren gegangen. Gäste hatten sich über vergessene Weckrufe beschwert; Gäste hatten verschiedene Diebstähle gemeldet, oder hatten sich über den unangenehmen Geruch beschwert, den ein vor Jahren im Nachtschrank vergessenes Frühstück verströmte; Gäste hatten sich über Bauarbeiter beschwert, die um sechs Uhr früh das Bett verrückten, um darunter eine Baugrube auszuheben.

Aus dem Augenwinkel heraus bemerkte sie eine verschwommene Gestalt, die sich schleppend dem Tresen näherte. Gähnend legte sie ihre Nagelfeile beiseite. Ein beißender Geruch brannte in ihrer empfindlichen Nase.

"Holzbock Holmes, Zimmer vierzehn!" sagte die Gestalt. "Meinen Schlüssel bitte."

Langsam drehte sich die Empfangsdame um und richtete ihre dicken Brillengläser auf ihn.

"Iiiiiiiiiiiiih!... Sie sind Wer?"

"Holmes, Zimmer vierzehn!" sagte die von Blut und Schleim triefende Schreckensfigur vor ihr offensichtlich etwas verwirrt. Ein bleicher Wurm hüpfte von der grauenerregenden Gestalt zum Tresen hinüber und landete pflatschend auf dem Gästebuch. Dann hob er langsam das Kopfende und blinzelte die Empfangsdame verträumt an. Sonst mochte sie Würmer ja ganz gerne, aber unter diesen Umständen kämpfte sie mit Brechreiz und Ohnmacht. Sie atmete einmal tief durch und sprach dann mit unstet zitternder Stimme: "Ähm, könnten Sie mir vielleicht einmal Ihren Ausweis zeigen?"

Motz, Mecker, Zeter (der zweite Ausraster)"Meinen Ausweis wollen Sie?" schrie Holmes die verschreckte Dame an. "Ich bin verdammtnochmal der berühmte Meisterermittlerdetektivzecken-
polizeibeamte Holzbock Holmes und nicht irgendein dahergelaufener Sittenstrolch! Ich bin für meine Bemühungen um die Sicherheit unseres Landes bekannt. Mein Photo war schon auf den Titelseiten aller Arschländer Zeitungen. Da wollen Sie meinen Ausweis sehen? Ich bin hier doch nicht im Puff! Die wollten da auch mal meinen Ausweis haben. Da hieß es dann: ‘He, Kleiner, hier darfst du erst rein, wenn du volljährig bist, klar?’ Damals war ich zweiundvierzig! Und jetzt kommt hier irgendeine kurzsichtige Hotelschlampe daher und... Sagen Sie mal, was deuten Sie eigentlich andauernd auf den Spiegel da?"

Die Empfangsdame lächelte bitter und hielt dem wütend kreischenden Haufen Schleim einen Taschenspiegel vor das verschmierte Gesicht. Holmes sah hinein, taumelte zurück und brach ohnmächtig auf dem teuren Hotelteppich zusammen. Er wachte allerdings sofort wieder auf und war kurz davor sich wieder einmal zu übergeben. Schließlich sah er ein, daß man ihn in seinem momentanen Zustand wirklich nicht zu erkennen vermochte, und griff nach seinen Papieren, die weg waren. Rasend vor Wut sprang er auf, wirbelte als brüllender Blut- und Eiterklumpen durch die Empfangshalle und schrie, man habe ihn niedergeschlagen, beraubt und zutiefst gedemütigt. Außerdem fügte er immer wieder hinzu, wie grausam das Schicksal doch zu ihm sei und daß er irgendeinem Eichhorn den Tod wünsche, weil es ihn da hineingeritten habe. Ein Wachmann stoppte die rasende Wut mit einem wohlgezielten Eimer Wasser. So von einem Großteil des Ekels befreit, erkannte die Maulwurfsdame an der Rezeption ihn und gab ihm bereitwillig und mit der üblichen Förmlichkeit den Schlüssel heraus.

"Einen schönen Tag noch, Herr Holmes!"

"Halt die Schnauze, du blöde Maulwurfsfresse!" knurrte Holzbock im Weggehen noch.

"Stets zu Diensten, Herr Holmes!"

Endlich in seinem Zimmer angelangt, gönnte er sich erst einen starken Drink, zwei Aspirin und eine ausgiebige Dusche. Zumindest von den Kopfschmerzen befreit, konnte er endlich auf einen kurzen Moment der Konzentration hoffen und die verschiedenen Aspekte des Falles ordnen. Am Ende kam er zu einem Entschluß. Er packte.